Zurück in Taian – Fulminanter Start ins Semester

Seit einigen Tagen bin ich wieder an der Shandong Agricultural University in Taian, einer der beiden Partneruniversitäten meiner Hochschule FOM (Hochschule für Oekonomie & Management). Ich werde wie im vergangenen Jahr für fünf Wochen hier sein, um die Studierenden aus dem dritten Semester in Human Resources zu unterrichten. Gleich an meinem zweiten Tag hatte sich auch eine Delegation der Hochschulleitung aus Essen angekündigt: Kanzler Dr. Beschorner, Frau Lin Liu, die Direktorin der Hochschulkooperationen mit China und fünf Professoren.

Die Delegation der Hochschulleitung aus Essen mit Dozenten und Tutoren

Die Delegation der Hochschulleitung aus Essen mit Dozenten und Tutoren

Es gab einige offizielle Termine mit der chinesischen Hochschulleitung und am Abend ein besonderes Highlight: Kanzler Beschorner und die Professoren spielen nämlich seit vielen Jahren in der sog. All Star Band. Und so fanden wir Dozenten und Tutoren uns pünktlich um 19 Uhr am historischen Gebäude der Aula auf dem Campus der Universität zur Begrüßungsfeier der neuen Studenten ein. Der Saal war schon brechend voll, vor allem mit Studierenden des sogenannten „Null-Semesters“, das sind die Studierenden, die zunächst ein Jahr Deutschunterricht haben, bevor sie danach mit dem BWL-Studium beginnen. Für sie wurde der Abend veranstaltet, der den Titel: „Run! Youth“ trug.  Weiterhin waren Studierende des ersten Semesters und einige aus dem dritten Semester anwesend. Die gesamte Führungsriege der chinesischen Seite saß in einer Reihe vor uns und wir warteten mit Spannung auf das Programm.

Durch das Programm führten eine junge Studentin und ihr männlicher Kollege, elegant gekleidet in langer Robe und dunklem Anzug wie bei einer Fernsehshow. Die beiden machten die Ansagen sehr professionell auf Chinesisch und auf Deutsch . Es folgte ein Potpourri aus traditionellen chinesischen und deutschen Liedern, Popsongs, traditionelle chinesische Tänze, eine Teezeremonie, ein Erhu-Orchester, ein kleiner Ausschnitt aus einer Peking Oper und dann folgte als vorletzte Programm-Nummer der mit Spannung erwartete Auftritt der All Star Band. Die Stimmung war bis dahin schon toll, der Beifall ohrenbetäubend, aber nun kam noch eine Steigerung. Die reifen Herren auf der Bühne rockten mit ihren Liedern von Stones bis Queen den Saal. Natürlich wurden Zugaben verlangt, die wiederum begeisterte Schreie auslösten. Die Band gab alles und verabschiedete sich schließlich fulminant von der Bühne.

Welche Steigerung war nun noch möglich? fragte ich mich. Die Antwort folgte sogleich: Präsident Wen, der chinesische Hochschulrektor, sprang, nachdem er seine deutschen Counterparts abgeklatscht hatte, auf die Bühne und schmetterte aus voller Kehle ein traditionelles Volkslied. Dazu deutete er Tanzschritte eines Paartanzes an. Sekunden später war eine der deutschen Tutorinnen auf der Bühne, um mit ihm zu seinem Gesang zu tanzen. Ich habe sie für ihren Mut bewundert, denn erfahrungsgemäß braucht man ein bisschen Übung, um mit einem nicht bekannten Partner in einen harmonischen Schritt zu kommen. Aber es klappte ganz gut. Auch hier gab es natürlich tosenden Beifall und der Abend endete mit vielen Fotos und Selfies von den Stars auf der Bühne, den Zuschauern und beiden zusammen.

Die Allstar Band in Aktion

Die Allstar Band in Aktion

Auf dem Gang nach Hause habe ich mich gefragt, ob es das in Deutschland wohl auch gäbe: ein Hochschulrektor, der auf einer Feier für die Studenten auf einer Bühne inbrünstig singt und tanzt. Das kommt wohl eher selten vor- genauso wie eine Band gesetzter Herren, die in Band-Kluft auf der Bühne steht und alles gibt. Es stimmt einmal mehr – die FOM ist anders. An diesem Abend war ich sehr stolz auf „meine Hochschule“.

6 Gedanken zu „Zurück in Taian – Fulminanter Start ins Semester

  1. Christiane Eckardt sagt:

    Liebe Brigitte,

    es macht Spaß, diese EIndrücke aus erster Hand zu lesen.
    Viel Spaß und Erfolg weiterhin- und sieh zu, dass es Dir gut geht!
    Christiane

  2. Claudia Schmitz sagt:

    Hallo Brigitte – dein Blog ist klasse. Korrespondentin vor Ort ist immer anders, als frisch aus der Druckerpresse. Es wird alles lebendig und real – es sind keine Statistiken sondern Menschen. Wunderbar. Heute stand im Morning-Letter des Handelsblattes folgender Text: „Stress in der Regierung (wie gerade in Deutschland) ist im Ein-Parteien-Staat China dagegen undenkbar. Staats- und Parteichef Xi Jinping beschließt, was notwendig ist: die Liberalisierung des Energie- und Telekommunikationssektors, Reformen im Gesundheits- und Rentensystem und ein Wirtschaftswachstum von mindestens 6,5 Prozent in den kommenden fünf Jahren. Von einer Marktwirtschaft ist China noch weit entfernt, doch die intellektuellen Ansätze von Ludwig Erhard sind nicht zu übersehen.“ Vielleicht hast du da auch einen Eindruck … vor allem was die Reformen angeht.
    Gruss Claudia

    • Brigitte Ott-Göbel sagt:

      Hallo Claudia,
      danke sehr. Ja, ich sitze auch jeden Abend vor dem TV, schaue Nachrichten auf dem englisch-sprachigen CCTV Channel und bin fasziniert von den politischen Reformbestrebungen. Wenn nur meine Studenten auch mal Nachrichten schauen würden! Ich frage sie manchmal nach aktuellem Wirtschafts- oder politischen Geschehen, aber nur sehr wenige interessieren sich dafür. Am Wochenende will ich nach Beijing fahren und endlich mal wieder die China Daily lesen mit Kommentaren. Ich werde wieder berichten!

  3. Christa van Winsen sagt:

    Hallo Brigitte,
    Deine Posts sind großartig. Schön, dass Du diese Reortagen schreibst und mit so viel Details füllst und mit erkennbarem Eigeninteresse formulierst. Lese sie mit Gewinn!
    Herzliche Grüße von Christa

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